Was bleibt - die Sache mit dem Lebensziel...
- die COACHIN

- 3. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Jan.
„Was ist denn dein Lebensziel?“
Das fragt er mich, als er neben mir steht. Einfach so. Keine Einleitung, kein vorangegangenes Gespräch.
Nichts.
Nur diese eine Frage.
Und diese eine Frage ist groß.

Darf man die überhaupt stellen? Zumindest jemanden in meinem Alter? Gut, ich bin mit Sicherheit nicht mehr in meinen 20-igern und auch nicht mehr in der „Ich probier mich aus Ära“- Aber hat man denn in irgendeinem Alter einen Plan vom Leben?
Bei mir war es nämlich schon immer so, dass ich sehr gut wusste, was ich NICHT will und durch Ausschlusskriterien mein Leben gestaltete. Ich wollte kein Burn Out mehr erleben. Keinen Kredit und keinen Gartenzaun um ein Haus, das vielleicht in ein paar Jahren mir gehören würde. Ich wollte in keine Schublade gesteckt werden und vor allem wollte ich in der Früh nicht schon wissen wie der Tag sein würde und abends bestätigt und erledigt ins Bett fallen. Ich wollte aus dem Rad von Arbeiten, essen, schlafen, entfliehen und schauen was das Leben sonst noch so zu bieten hat.
Also floh ich aus diesem Leben. Die andere Seite der Medaille ist - wie zu erwarten - auch nicht immer glänzend und schimmernd. Das Ergebnis, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht und der Spagat zwischen Familie und ich möchte gerne arbeiten, Me Time und allem was uns so drumherum um die Ohren fliegt bringt einen nämlich manchmal auch ganz schön weit weg von sich selbst.
Ich denke er bemerkt, dass ich keine Antwort parat habe, also rudert er ein bisschen zurück. „Oder anders gefragt, wenn dein Leben heute zu Ende wäre, würde dir was fehlen?“
Dankbar beginne ich zu lächeln.
Damit tue ich mir schon leichter. Diese Frage habe ich mir tatsächlich selber auch schon öfters gestellt. Was hätte ich verpasst? Gäbe es etwas, was ich noch gerne gemacht hätte? Um was wäre es mir leid? Wen würde ich noch um Vergebung bitten wollen? All diese Fragen habe ich mir irgendwann schon mal selbst gestellt. Und auch wenn deren Beantwortung mit Sicherheit nicht einfach ist, ist es doch so, dass ich im großen und ganzen eine klare Meinung dazu habe. Und die teile ich dann auch mit ihm:
„Ganz klar: Nein“
Ungläubig schaut er mich an.
Also versuche ich meine Gedanken weiter auszuführen „Ich habe das Gefühl mein Leben wirklich gelebt zu haben. Ich habe meine Träume nie auf später aufgeschoben. Sondern ich habe sie mir erfüllt oder ich bin noch dran es zu tun. Ich habe so viele verschiedene Erfahrungen gemacht: ich habe wirklich geliebt, mit jeder einzelnen Zelle meines Körpers, ich habe gelitten, gelacht und auch gelernt. Sicherlich, ich bin noch nicht fertig. Aber sollte es das heute gewesen sein, dann wäre ich zufrieden. Denn ich habe das Leben in sehr vielen verschiedenen Facetten kennengelernt. Ich habe es aus verschiedenen Perspektiven gesehen und erfahren. Das ist das, worum es denke ich geht....“
Ich weiß nicht ob ihn meine Erklärung zufriedenstellt. Das ist auch gar nicht entscheidend. Aber weil es mir wichtig erscheint, füge ich hinzu: „Das einzige, was mir in meinem Leben vielleicht noch fehlt, ist das Gefühl wirklich etwas bewegt zu haben. Etwas verändert, gewandelt oder auch gewahrt zu haben. In diesem Sinne meinen Beitrag zu leisten: ein besseres Morgen zu erschaffen und mich heute schon dafür stark zu machen.“
Ich halte kurz inne und muss lächeln.
Ja, vielleicht ist das mein nächstes Ziel oder mein nächster Traum. Wegzukommen von dem Gedanken mich selbst zu verwirklichen, hin zu einem "ich möchte BEWIRKEN". Meine Kraft und Energie dafür einzusetzen. Und nicht aufzuhören, bis ich das Gefühl habe ein großes Stück bewegt zu haben.
Diese letzten Gedanken behalte ich vorerst für mich.
Manche Dinge, müssen wachsen, so wie wir selbst auch.








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