Glück schlägt Geld
- die COACHIN

- 10. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Jan.
"Weißt du was ich glaube? Ich glaube wir sind die Generation, die am meisten Stress in der Arbeit hat".
Das sagt mir mein Mann vor ein paar Tagen. Ich schlucke und denke nach. Stimmt das? Und wenn ja, warum?
Sicher, wir haben eine ganz andere Belastung durch Handy, Mail, 24/7 Erreichbarkeit hat es im Arbeitsleben unserer Eltern nicht gegeben. Da war man ansprechbar von-bis und dann war es auch gut. Heute senden wir und erwarten dann prompt eine Antwort, ein "gelesen" oder zumindest ein Emotion Icon als Reaktion. Wir haben das Gefühl für Zeit verloren, das glaube ich schon. Und vielleicht auch den Blick für das Wesentliche.
Ich denke, dass ich recht früh unter den Anforderungen an mich und meine Generation zusammengebrochen bin. "Burn Out" stand damals auf der Freistellung des Arztes. Es war eines von 3. Also kann man gar nicht so genau sagen, dass ich mich zu dieser Generation, die am meisten Stress in der Arbeit hat gehöre. Vielleicht gehöre ich zu denen, die dem Stress nicht gewachsen sind. Zwischen nicht wollen und nicht können liegen ja bekanntlich Welten. Das ist schon irgendwie seltsam oder? Da überlegt sich wer, wie das "normale" Leben aussieht und jeder strauchelt, strudelt und versucht dem gerecht zu werden. Und falls wir es nicht machen - eben weil wir nicht können oder wollen - dann fühlen WIR uns falsch. Anstatt zu hinterfragen ob denn wirklich dieses EINE Bild, wie ein Leben so zu funktionieren hat (Mo-FR 38,5 h Arbeit, 8 Stunden Schlaf, 3 mal die Woche Sport, Ehepartner, Haus und 2 Kinder und Leasing Tesla) für ALLE Menschen gleich ist? Wie kann das denn stimmen? Und wieso suchen wir noch immer den Fehler bei UNS, wenn wir an den externen Anforderungen scheitern?
Ich denke, dass sich so viele Dinge ändern werden auf dieser Welt, einfach weil sie müssen. Schauen wir uns doch die Arbeitswelt an: Die Generation der Baby Boomer, die Nachkriegsgeneration, die fleißig die Ärmel hochkrempelte um die Welt wieder aufzubauen, wird abgelöst von der Generation Z, die sich nach den Corporate Benefits und er 4 Tage Woche erkundigt. Dazwischen stehen wir - die Generation Y - die sich immer schon die Frage nach dem Sinn stellt. Wir sind die ersten, denen das Glück mehr wert ist, als Geld. Wir sind die, die auf Statussymbole pfeifen und lieber ein halbes Jahr Auszeit nehmen, um zu reisen. Wir sind aber auch die, die in ihrem Selbstwert so angeknackst sind, dass sie noch immer das Leben leben, das ihnen als "normal" verkauft worden ist. Und - zumindest nach der These meines Mannes, sind wir auch die, die am meisten Stress haben.
Ob das wirklich so ist, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass bei mir immer alles einen Sinn ergeben muss. Ich arbeite so gern und auch so gerne viel, aber eben nur, wenn es für mich einen Zweck erfüllt. Ich bin, um wieder die Worte meines Mannes zu verwenden extrem "Purpose driven". Ja, bin ich ganz sicher. Alles andere ist eine Verschwendung von Zeit, Potential und der Ressource Mensch.
Wie wir als Gesellschaft gesamt, aber vor allem auch im Bereich Bildung und Business mit diesem Wandel der Zeit und auch des Generationenwechsels umgehen bleibt spannend. Ich denke es wird manches mal zu schnell gehen, weil es in der Vergangenheit so langsam war. Wir werden uns kopfschüttelnd übereinander ärgern, nicht verstehen, uns belehren und überzeugen wollen, bevor wir uns an unsere Andersartigkeit erinnern und hoffentlich gegenseitig jedem sein eigenes zugestehen.
Wir sind die, die vielleicht am meisten Stress haben. Wir sind aber auch, die dazwischen stehen, zwischen ALT und NEU und die, die vermittelnd den anderen die Hände reichen. Damit wir gemeinsam in eine neue Zukunft gehen. In der wir nicht mehr alle über einen Kamm scheren und nicht irgendwo reinpassen, um uns nicht komisch zu fühlen.
In der einfach jeder so sein kann, wie er ist.








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